Lesung mit Barbara Linnenbrügger aus ihrem Buch „Lebenslinien zwischen Kaiserreich und Holocaust Margarete Oppenheimer-Krämer und ihre Familie“

Freitag, 24. Mai, 20 Uhr

Ein Bilderbuch mit über 200 Fotografien und biografischen Texten ist das Ergebnis einer über 15 Jahren dauernden Forschungsarbeit von Barbara Linnenbrügger über den Lebensweg von Margarete Oppenheimer-Krämer. Margarete Oppenheimer-Krämer lebte viele Jahre, von 1924 bis Anfang 1939, in Fränkisch-Crumbach. Sie war eine Frau, die in Freud und unermesslichem Leid ein sehr bewegtes Leben gelebt hat, viele Stationen deutscher Geschichte zwischen Kaiserreich und Holocaust mit erlebte und viel zu früh grausam aus dem Leben gerissen wurde.


Barbara Linnenbrügger zeichnet dieses Leben reichhaltig bebildert nach.
Sie schreibt: „Ich bin sehr dankbar dafür, dass mich diese Arbeit aber auch wachgerüttelt hat, mich erneut mit meinem persönlichen Erbe des Nazifaschismus auseinanderzusetzen. Ich habe seither viele Lesungen, Vorträge, Theaterprojekte zum Thema gemacht. Darüber bin ich mit vielen, sehr unterschiedlichen Menschen in die oft sehr fruchtbare, erkenntnisreiche Auseinandersetzung über unsere deutsche Geschichte und ihre Auswirkungen gegangen.


Deshalb gebe ich in diesem Buch auch einen Einblick in meinen eigenen Weg.“ Einen langen Weg ist Barbara Linnenbrügger für Margarete Oppenheimer-Krämer und ihre Familie, aber auch für sich selbst gegangen.

 

Allmählich zeichnen sich für sie Sinn und Ziel ab, aber sie sagt auch: „Der Weg ist noch längst nicht zu Ende.“ Ruth David, überlebende Tochter bekundet immer wieder: „Wie hat Dein Leben sich in den letzten Jahren verändert!“ „Ja, das stimmt, und es ist gu t so,“ bekundet Barbara Linnenbrügger.


Für mich habe ich die Gewissheit, dass sich all die erkenntnisreiche, schmerzhafte Auseinandersetzung mit unserer deutschen Geschichte und auch mit der Geschichte meiner Familie sehr gelohnt hat und dringend notwendig ist. Sabine Bode sagte mir einmal auf einer Tagung: „Nachdem Deutschland so viel getan hat in der Aufarbeitung der Nazi-Zeit und dem öffentlichen Gedenken daran, geht es jetzt dringend darum, dass wir die Auseinandersetzung über die Folgen des Nazifaschismus vor allem in Bezug auf die Gefühlserbschaften in die Familien tragen.Bei aller Gewalt und allem Terror, den wir Menschen über diese Erde bringen, frage ich mich immer wieder, ob wir uns wohl als Menschheit jemals so entwickeln können, dass wir in Würde leben und überleben..


Als mir Margarete vor vielen Jahren durch Ruth begegnete, habe ich gespürt was für eine wundervolle Mutter sie war, aber auch, dass sie viel mehr als das war. Ich habe geahnt, dass sie auch mir eine Mutter - ein FrauenVorbild - sein könnte.


Ich schrieb schon in meinen ersten Texten: „Ich weiß darum, wie wichtig es für uns Frauen ist, die Frau, die uns geboren hat, die uns einen ersten Eindruck über die Welt des Frau-Seins vermittelt hat, möglichst gut zu kennen und eine geklärte Beziehung zu ihr zu haben.“

 

Der Blick auf meine eigene Mutter hat sich im Laufe der vergangenen Jahre entscheidend erweitert: Ich weiß jetzt um den tiefgreifenden, existentiellen Bruch nach der Hitlerzeit, der sie offensichtlich zu dieser eingeschüchterten, unlebendigen Mutter gemacht hat, die ich kennengelernt habe.


Ich musste andere Frauenvorbilder finden, an denen ich wachsen konnte. So erweitere ich heute meine Lebensgrundlage: „Ich weiß darum, wie wichtig es für uns Frauen ist, die Frau, die uns Vorbild ist, die uns die Welt des Frau-Seins vermittelt, möglichst gut zu kennen und eine geklärte Beziehung zu ihr zu haben“.  Diese Prämisse hat mich all die Jahre geleitet und getragen. Und Margarete Oppenheimer-Krämer ist mir Vorbild geworden.


Wenn ich den Humor und die Großherzigkeit von Margaretes Kinder erlebe, kann ich nur immer wieder beteuern: Was wäre es für eine wunderbare Bereicherung für uns alle gewesen, wenn diese Frau hier im Odenwald mit ihrer Familie hätte weiterleben können. Für all dieses danke ich Margarete und ihrer ganzen Familie. Ich danke dafür, dass sie mir diesen Weg ermöglicht haben und mich so offenherzig unterstützen. Und ich danke von Herzen für die Freundschaft.

 

Eintritt: 8,-/erm. 6 €

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Frauenkulturzentrum & Cafè Sarah

Erstellt mit 1&1 IONOS MyWebsite.